DER FREIE MEINUNGSSPIEGEL: Presse und Stimmen zum                revolutionären Papst Franziskus (Zit. Cardenal) IN DEN KINOS LÄUFT DER FILM ÜBER IHN - AUCH IN SIMBACH UND BRAUNAU

Kinofilm vom preisgekrönten Regisseur WIM WENDERS: PAPST FRANZISKUS - EIN MANN SEINES WORTES, DIE WELT BRAUCHT HOFFNUNG (LINK)

Presse und Stimmen zu Papst Franziskus

(km/afm) Mit Fug und Recht kann festgestellt werden, wer diesen Film versäumt, der bleibt unbeeindruckt. Er beinhaltet alles, womit ein Mensch konfrontiert werden kann: Von Ungemach, über Angst und Gottesnähe, negativen Kapitalismus, Umwelt- und Schöpfungszerstörung, fehlgeleiteten religiösen und politischen Wahn, bis hin zu einem Humor, den kein einziger Papst vor ihm zum Ausdruck gebracht hat. Unser Urteil ist einstimmig: Höchst sehenswert nicht nur für Christen, sondern alle Menschen, ausdrücklich auch für Agnostiker und Atheisten.

Papst Franziskus

Ein Mann seines Wortes

Im neuen Dokumentarfilm von Wim Wenders teilt der Papst seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist, spricht über Umweltfragen, soziale Gerechtigkeit und sein Engagement für Frieden an den Kriegsschauplätzen dieser Welt sowie zwischen den Religionen. In einer Zeit, in der die Politik die Ausgrenzung sucht und dabei zunehmend das Gemeinsame vergisst, in der Lügen, Korruption und ‚alternative Fakten‘ unser Leben bestimmen, bringt uns Papst Franziskus – EIN MANN SEINES WORTES einen Mann nahe, der lebt, was er predigt, und dem die Menschen weltweit ihr Vertrauen schenken.

Genre: Dokumentarfilm
Regie: Wim Wenders
Laufzeit: 96 Minuten
FSK: ab 0 Jahren
Start: 14.06.2018
Originaltitel: Pope Francis A Man Of His Word
Internet: http://upig.de/micro/papst-franziskus

LINK ZUM TRAILER:

Weiterführende, themenbezogene Links zur Abrundung

Die freie Meinung

Lokale Braunauer Spiegelmedien

 

BRAUNAU. (km/afm) Im Interview des Ernesto Cardenal Martinez mit der Deutschen Welle kündigte letzterer bereits die Angriffe gegen Papst Franziskus an: „Noch sitzen sie in ihren Löchern, aber sie werden herauskommen…!“ Denke ich als Christ an unseren Religionsgründer, so betonte dieser mehrmals, dass es Aufgabe aller Christen sei, „verirrte Schafe“ als Hüter wieder in die Herde zurückzuführen und auch, dass es sich nur um ein einzelnes Schaf handeln kann. Franziskus hat in seiner bisherigen Amtszeit so viele „verirrte Schafe“ zurückgeholt, dass sich seine Vorgänger am Riemen reißen müssen, diese Zahl gemeinsam zu erreichen. Hätte er dies zuvor als sein Ziel genannt, wäre er nie als „Häretiker“ fehlbezeichnet worden, sondern bestenfalls als Träumer. Und gerade in unserer Zeit, wo die Jugend sich auf den Weg gemacht hat, Sinnziele des Lebens zu finden, passt Franziskus maßgeschneidert dazu. Ich selbst habe mich schon mehrmals geoutet, dass ich nicht die Verkörperung eines katholischen Christen darstelle, obwohl ich Jesus als mein religiöses Vorbild bezeichne und sich mein Glaube an ihm ausrichtet. Aber aus einer früheren Zeit, in der ich sehr konservativ dachte und handelte und erst später zum „linken Christen“ wurde, weiß ich um ein „Dogma“, dessen ich mir aber nicht sicher bin. Es ist jenes der Unfehlbarkeit des Stellvertreters Christi auf Erden. Inwieweit dies überhaupt notwendig erscheint, ist ein anderes Thema. Aber, zum Punkt meiner Aussage kommend: Immer, wenn die konservativen Kirchenkreise ihre „verstaubten Ansichten“ verbreiten und begründen, folgt untrennbar gleich die Unfehlbarkeit. Dieses Mal fehlt aber dieser Dogmenbezug, weil nicht nötig, denkt die Kurie. Bei einem liberalen Papst sieht das schon ganz anders aus, denn da wäre man vielleicht sogar bereit, die Unfehlbarkeit abzuschaffen und dies am besten gleich mit dem Zölibat, wenn es denn sein müsste. Dies mit nur einem einzigen Hintergedanken: Der Beseitigung des Franziskus! Das größte Manko, welches konservativ denkende Brüder und Schwestern in Christo heutzutage haben, ist die Unfähigkeit dialektisch zu denken und zu handeln. „Wer unter euch der Erste sein möchte, der soll der Diener aller sein!“, Worte von Jesus Christus. Und genau dies befolgt Franziskus, also, wo liegt das Problem? Unser Redaktionsteam solidarisiert sich mit dem Franziskus, wie er sich jetzt engagiert: PRO POPE FRANCIS!

 

Alois-Felix Mairoll im November 2017

 

Ketzer Franziskus

 

Der Papst schickte Glückwünsche zum Reformationstag. Er findet, wir verstehen uns jetzt besser – wir: die einst blutig verfeindeten Konfliktparteien der römischen Katholiken und der deutschen Protestanten. Er findet auch, dass die Deutschen das Reformationsjahr auf lobenswerte Weise feierten: im Miteinander der christlichen Konfessionen. Und deshalb hat der Papst sich bei allen Beteiligten bedankt, indem er sagte: „Wir gehen anders in die Zukunft!“

 

Anders, verändert, verwandelt, versöhnt, reformiert, revolutioniert? Was genau kann sich jeder selbst aussuchen, denn Franziskus spricht gern deutungsoffen. Unmissverständlich aber war, dass er sich die Christen künftig nicht anders als einig denken kann.

 

Luther, findet dieser Papst, war kein Häretiker, sondern ein Lehrer im Glauben

 

Damit stärkt der Argentinier zwei Deutschen den Rücken: dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. Die Bischöfe hatten sich im Reformationsjahr angefreundet und dies auch symbolisch zelebriert. Doch das gefiel in Deutschland nicht allen. Manche Katholiken fürchteten die Verwässerung ihrer Lehre, manche Protestanten die Dogmatisierung durch eine „Rückkehr-Ökumene“.

 

www.pro-pope-francis.com

 

Solche Luxusprobleme hat der Papst nicht. Wer als Christ an Langeweile leidet, sollte sich jetzt mit Franziskus solidarisieren (zum Beispiel auf dem Portal www.pro-pope-francis.com), dann wird er merken, dass der alte Hass aus der Lutherzeit noch lebendig ist: Der Reformpapst gilt bei seinen katholischen Gegnern als Häretiker. Erst haben sie nur getuschelt, dass er Irrlehren verbreite. Dann schickten sie ihm eine Liste von Dubia (Zweifeln) zu seiner päpstlichen Schrift Amoris Laetitia (Freude der Liebe). Ein paar ganz Glaubensfeste zeigten Franziskus sogar bei der Glaubenskongregation an. Andere druckten anonyme Plakate. Und als auch das nichts half, weil der Papst die Reaktionäre ignorierte, sammelten sie Unterschriften gegen seinen Reformkurs. Mittlerweile sagen es gewisse Kardinäle, Erzbischöfe, Betontheologen in Rom laut und zu jedem Journalisten, der ihnen über den Weg läuft, wobei sie Krokodilstränen um ihre Kirche vergießen: Dieser Papst ist ein Häretiker!

 

Häresie

 

Was war noch mal Häresie? Ach ja, jener Maximalvorwurf, den der Heilige Stuhl vor 500 Jahren auch gegen Martin Luther feuerte. Als der Wittenberger nicht einknickte, sondern weiter gegen den „Papstesel“  pestete, wurde er exkommuniziert – als Ketzer aus der Kirche verstoßen. Es folgte die Kirchenspaltung. Das sollte man sich klarmachen, wenn man das Lob des Papstes für das Land der Reformation würdigen will. Franziskus muss ja nicht nur mit dem katholischen Kirchenvolk auskommen, das ihm zujubelt. Nicht nur mit den Vorwärtskardinälen aus Asien und Lateinamerika, sondern auch mit den Rückwärtsklerikern aus Afrika und Nordamerika.

 

DIE ZEIT 45/2017

 

Und Franziskus? Intern bleibt er gelassen. Die ihn gut kennen, sagen: Er ist völlig im Frieden, ohne Nervosität, was die Attacken betrifft. Und die seien ja auch mehr als dumm.

 

Das hält die Ewiggestrigen nicht ab, den alten Vorwurf der Häresie weiter zu erheben. Aber es dürfte sie ärgern, dass am deutschen Reformationstag der Chef der Protestanten, Bedford-Strohm, dem Papst zurief: "Lieber Papst Franziskus, Bruder in Christus, wir danken Gott von Herzen für dein Zeugnis der Liebe und Barmherzigkeit, das auch für uns Protestanten ein Zeugnis für Christus ist. Wir danken für deine Zeichen der Versöhnung zwischen den Kirchen. Und wann immer du einmal hierher nach Wittenberg kommst, dann werden wir dich ein halbes Jahrtausend nach der Verbrennung der Bannbulle von ganzem Herzen willkommen heißen!" Das war fast so schön wie Shakehands mit dem Papst vor der Thesentür in Wittenberg.

 

Ein Teil dieser Tür ist jetzt übrigens auf einer Vatikan-Briefmarke zu sehen, die der Papst pünktlich zum Reformationstag drucken ließ. Nettes Geschenk. Na dann – Häretiker unter sich!

 

 

Dem Papst droht „brüderliche Korrektur“

 

Die Veränderungen, die Franziskus anstoßen will, kommen nur mühsam voran. Kritiker wollen ihn zur Umkehr bewegen

 

Regensburg (ots) - In einer Welt, in der fast alles möglich scheint, hatten Katholiken eine Gewissheit, auf die Gläubige anderer Religionen verzichten mussten. Der Papst gab den Kurs vor, auch wenn das manchmal unangenehme Folgen hatte. Man konnte diesem Autoritarismus Folge leisten, sich an ihm reiben oder ihn ignorieren. Das Papsttum blieb trotz aller Orkanböen der Moderne eine letzte Instanz für Katholiken, ein polarisierender Anker im Ozean der Beliebigkeiten. Jetzt ist es plötzlich andersherum: Der Papst selbst bringt alte Gewissheiten in Bewegung. Der Anker, der bislang dogmatische Sicherheit und eine gewisse katholische Bequemlichkeit gewährleistete, hat sich gelöst. Für die katholische Kirche ist das ein entscheidender Paradigmenwechsel. Papst Franziskus ist in seinem fünften Amtsjahr und rüttelt unverzagt an den Dogmen des Katholizismus. In der bislang hermetischen Ehe- und Sexualmoral der Kirche lässt er Ausnahmen zu, die für Kritiker dem Anfang vom Ende gleichkommen. Der Papst versucht, lokalen Kirchen vor Ort mehr Autorität zu verleihen, etwa in Fragen der Liturgie oder der Gerichtsbarkeit. Das entspricht seiner Idealvorstellung einer Kirche, die nicht nur von oben herab angeleitet wird, sondern sich gemeinsam fortbewegt. Viele Katholiken sind angesichts dieser Veränderungen verstört. Priester, Theologen und Laien bezichtigen ihr Oberhaupt unverhohlen der Verbreitung von Irrlehren. Kardinäle zweifeln öffentlich am Lehramt des Papstes. Auf der anderen Seite gibt es Befürworter der neuen Freiheit, die den Papst öffentlich gegen seine Gegner verteidigen. Die katholische Kirche durchlebt eine Identitätskrise, in der die grundverschiedenen Überzeugungen über das an die Oberfläche gelangen, was Katholischsein im 21. Jahrhundert bedeuten soll. Wie viel Wirklichkeit verträgt die Kirche, ohne eine beliebige christliche Religions- und Interessengemeinschaft zu werden, lautet dabei die Gretchenfrage. Ob Franziskus seine Weichenstellungen auch über sein eigenes Pontifikat hinaus absichern kann, ist ungewiss. Die dogmatischen Öffnungen, etwa sein Zugehen auf wiederverheiratete Geschiedene könnte sein Nachfolger wieder rückgängig machen. Allzu progressive Theologen könnten in Zukunft auch wieder von einer auf Linie getrimmten Glaubenskongregation zurechtgewiesen werden. Unter Franziskus herrscht weitgehend theologische Narrenfreiheit, kein katholischer Freidenker muss derzeit um seine Karriere fürchten. Stattdessen verlieren derzeit dogmatische Koryphäen wie Kardinal Gerhard Ludwig Müller Ämter und Einfluss. Doch auch die mühsam voranschreitenden Reformen in der Kurie und bei den Vatikanfinanzen sind Stückwerk. Diese Richtungswechsel sind bislang Reformkosmetik, der Papst hat keine vollendeten Tatsachen geschaffen. Sein Spielraum ist durch die kräftige Opposition begrenzt. Franziskus hat jedoch andere Keile eingetrieben, die den Kurs der Kirche nachhaltig prägen werden. Der bald 81-Jährige hat das Kardinalskollegium mit seinen bisherigen Ernennungen stark mitbestimmt. Das Gremium, aus dem eines Tages sein Nachfolger gewählt werden wird, besteht heute schon zu weiten Teilen aus Pastoren, wie der Papst sie sich wünscht: Engagiert im Dialog und mit Blick für die Belange der Gläubigen. Vor allem aber hat Franziskus das Papsttum endgültig entzaubert. Bergoglio gibt sich als Pontifex zum Anfassen, der ein Primus inter Pares, aber kein Alleinherrscher mehr sein will. Das Zeitalter der Päpste, die sich auf die Anerkennung ihrer Autorität und Verbindlichkeit ihrer Entscheidungen verlassen konnten, ist endgültig vorbei.

 

OTS: Mittelbayerische Zeitung newsroom: http://www.presseportal.de/nr/62544 newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_62544.rss2

 

 

Der Papst soll Irrlehren verbreiten…

 

Die Finanzreformen des Papstes treten auf der Stelle. Das Sekretariat für Wirtschaft, das als neue Kontrollstelle im Vatikan konzipiert war, ist seit Sommer ohne Führung. Der verantwortliche Kardinal, George Pell, muss sich in seiner Heimat Australien einem Prozess wegen Kindesmissbrauch stellen, der vatikanische Rechnungsprüfer Libero Milone wurde unter mysteriösen Umständen entlassen. Machtkämpfe und Korruption sind weiterhin an der Tagesordnung. Zudem werden ideologische Grabenkämpfe ausgetragen, nicht nur in der Kirchenführung, sondern schon längst auch unter den Gläubigen.

 

Erst vor Wochen gingen die Kritiker des Papstes aufs Ganze: Mit einer „brüderlichen Korrektur“ wollen sie Papst Franziskus zur Umkehr bewegen. Der Papst verbreite Irrlehren, die so nicht hingenommen werden könnten. Der rechte Glaube sei in Gefahr. Es handelt sich um Katholizismus unter verkehrten Vorzeichen, denn noch nie fühlten sich Priester, Theologen und Laien bemüßigt, das Lehramt des Papstes zu korrigieren und ihn der Häresie zu bezichtigen.

 

Die ursprünglich 62 Unterzeichner, unter ihnen Figuren aus dem traditionalistischen Spektrum wie der ehemalige Chef der Vatikanbank Ettore Gotti Tedeschi, der Chef der umstrittenen Piusbruderschaft, Bernard Fellay, oder der deutsche Schriftsteller Martin Mosebach, behaupten, Franziskus sei eine Gefahr für den katholischen Glauben. Zuvor hatten vier pensionierte, aber einflussreiche Kardinäle, darunter der inzwischen verstorbene ehemalige Kölner Erzbischof Joachim Meisner, öffentlich das Lehramt von Franziskus angezweifelt.

 

Unterstützung für Franziskus aus Wien

 

Weil viele Gläubige trotz dieser Kritik Hoffnungen in den Papst legen, starteten auch seine Befürworter eine Aktion. Auf Initiative des Wiener Theologen Paul Zulehner und des Prager Religionsphilosophen Tomas Halik unterzeichneten inzwischen knapp 38 000 Menschen einen solidarischen Aufruf für Franziskus und bestärken ihn, auf seinem Weg weiter zu gehen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderen der österreichische Amazonasbischof Erwin Kräutler, der deutsche Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse oder der ehemalige italienische Europaminister Rocco Buttiglione. Die beiden Lager streiten unversöhnlich um den richtigen Kurs der katholischen Kirche.

 

Kern der Auseinandersetzung ist das nachsynodale Schreiben Amoris Laetitia vom März 2016, in dem Franziskus seine Schlussfolgerungen aus den beiden Familiensynoden 2014 und 2015 zieht. Franziskus signalisiert darin Entgegenkommen bei der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten. Für Traditionalisten handelt es sich dabei um einen Tabubruch, weil das Dogma der Unauflöslichkeit der Ehe so aus den Angeln gehoben und die Scheidung auf katholisch akzeptiert werde. Die Befürworter hingegen halten einen weniger gnadenlosen Umgang mit Sündern für richtig.

 

Amoris Laetitia ist aber nicht der einzige theologische Stein des Anstoßes. Die Papstkritiker erkennen einen generellen Angriff auf katholische Gewissheiten. So vermuten sie, der Papst wolle mit der klammheimlichen Einrichtung einer vatikanischen Studienkommission zur Enzyklika Humanae Vitae auch das Lehramt von Papst Paul VI. aufweichen, der die künstliche Empfängnisverhütung 1968 verbot. Dass Franziskus im September ein nach Johannes Paul II. benanntes theologisches Forschungsinstitut für Ehe und Familie neu ausrichtete, ist für seine konservativen Kritiker ein weiterer Nachweis für den radikalen Kurswechsel.

 

Franziskus hat in der Vergangenheit zu verstehen gegeben, dass er weder den Zölibat abschaffen noch Frauen als Priester zulassen werde. Das hinderte ihn aber nicht, umstrittene Maßnahmen auf diesen Gebieten zu ergreifen. Der Erprobung sogenannter viri probati, also des Einsatzes nicht geweihter Priester zu Messfeiern in entlegenen Gegenden, in denen sonst keine Eucharistie gefeiert werden könnte, hält Franziskus dem Vernehmen nach für akzeptabel. Eine Synode der am brasilianischen Amazonas angesiedelten Bischöfe im Jahr 2019 wird diese Frage diskutieren. Möglicherweise wird das Thema auch schon bei der Jugendsynode im kommenden Jahr in Rom berührt, bei der es auch um "Berufung" geht, also um die Frage, unter welchen Umständen Männer Priester werden. Was weibliche Diakone angeht, hat Franziskus vor über einem Jahr eine Studienkommission eingerichtet, die die Geschichte des Diakonats und das Verbot für Frauen historisch untersuchen soll. Kritiker erkennen darin ein Einfallstor für die Frauenweihe.

 

 

Kirche \ Weltkirche

 

USA: Noch ein Theologe veröffentlicht Papstkritik im Internet…

 

Das Modell macht Schule: Ein weiterer Kritiker von Papst Franziskus hat seinen Brief an das Kirchenoberhaupt im Internet veröffentlicht. Der US-amerikanische Theologe und Kapuziner Thomas Weinandy, Mitglied der Internationalen Theologischen Kommission im Vatikan, wirft dem Papst unter anderem vor, er schaffe „chronische Verwirrung“, ernenne ungeeignete Bischöfe und schmälere die Bedeutung der katholischen Doktrin. Im Pontifikat von Franziskus sei „das Licht von Glaube, Hoffnung und Liebe nicht abwesend“, aber es sei „zu oft verdunkelt von der Mehrdeutigkeit Ihrer Worte und Handlungen“, schreibt Weinandy dem Papst in seinem auf 31. Juli datierten Brief. Die US-Zeitschrift „Crux“ veröffentlichte den Brief am 1. November. Tags darauf legte der Ordensmann seine theologische Beratungstätigkeit für die US-amerikanische Bischofskonferenz nieder, wie diese am Mittwoch mitteilte.

 

Schreiben ähnlichen Inhalts an Papst Franziskus wurden bereits mehrfach im Internet veröffentlicht, so etwa der „Dubia“-Brief von vier Kardinälen, die im November 2016 vom Papst Klarstellungen über sein Schreiben „Amoris Laetitia“ verlangten. Im September 2017 bezichtigten 62 Theologen und Priester in einer „kindlichen Zurechtweisung“ den Papst via Internet, Irrlehren zu fördern. Auch frühere Päpste zogen Kritik auf sich, doch hatten die Verfasser solcher Eingaben nicht die Möglichkeit, sich über soziale Medien weltweit Gehör zu verschaffen. Ebenfalls über elektronische Medien formiert sich inzwischen eine Verteidigungsbewegung für Papst Franziskus. So haben in wenigen Wochen mehr als 1.100 Persönlichkeiten und weitere 40.000 Gläubige aus allen Teilen der Welt eine Initiative namens „Pro Pope Francis" unterzeichnet.

 

Thomas Weinandy gehört seit 2014 und turnusgemäß noch bis 2019 der Internationalen Theologischen Kommission an, die der vatikanischen Glaubenskongregation zuarbeitet. Die Mitglieder der Kommission werden vom Papst ernannt, und zwar jeweils auf Vorschlag des Präfekten; bei Weinandys Ernennung war das Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

(rv 02.11.2017 gs)

 

Was viele über die katholische Kirche nicht wissen und was erstaunt

 

Die Glaubenskongregation ist die Nachfolgeinstitution der Inquisition. Der bayerische Papst stand ihr bis zu seiner Papstwahl vor. Welche Irrsinn die Inquisition angerichtet hat (neben dem pädophilen Touch, den Franziskus entschieden verurteilt) weiß frau/man aus den Hexenverbrennungen. Nun möchten letztere meinen, die beiden Päpste wären grundsätzlich verschieden und hätten allen Grund „unchristlich spinnefeind“ aufeinander sein. Das genaue Gegenteil ist der Fall, denn der pensionierte bayerische Papst hat als zweiter einer langen Kirchengeschichte sein Amt zu Lebzeiten niedergelegt. Das ist nicht konservativ, sondern äußerst progressiv, dies auch in Übereinstimmung mit Ernesto Cardenal, „wenn es schon Päpste geben müsse, weil verzichtbar“ meint dieser. Fest wie ein Fels steht das gegenseitige Verständnis der beiden und das ist erstaunlich!