SPIEGEL DER WISSENSCHAFT 012

Wenig Freude in der Pädagogenschaft mit der „Neuen Oberstufe“: 

Noch vor Regierungswechsel unter Dach und Fach gebracht, behindern bis zu  zwei „Nicht genügend“ das Aufsteigen ins nächste Semester nicht!

Ein Bericht von Alois-Felix Mairoll

Aus der Sicht eines Zehn-Finger-System-Eingabe- und Deutsch-Nach-hilfepädagogen wäre viel wichtiger als eine organisatorische Regelung, die sichere Beherrschung der Eingabetechnik im EDV-System, das wäre eine Ergänzung von Lerntechniken in der Schul- und Erwachsenenbildung. (km)

WIEN. (km/afm) Wenig Freude bei Pädagogen bringt die nächste Schulordnungsregelung.Es kommt die „Neue Oberstufe“ und der Grund ist wohl, dass sich schon sehr viele Abiturienten nach dem Besuch einer höheren Schule für eine nachfolgende Lehre entschließen. Ja, und die Schülerinnen und Schüler, die dann noch verbleiben, werden sich wohl für ein Studium entschließen. Um eine schon sehr frühe Gewöhnung an die Semesterregelung in der UNI zu erreichen, wird in der Oberstufe nicht mehr nach Schuljahren aufgeteilt, sondern in zwei Semester – so wie in der UNI – in ein Sommer- und Wintersemester, welche jeweils durch eine Prüfung abgeschlossen wird. Ab diesem Stadium entfallen dann die Zeugnisse. Dies wird dann ab der 10. Schulstufe Anwendung finden und betrifft vorerst die Handelsakademie, die Höhere Technische Lehranstalt sowie die HLW. Das Gymnasium folgt ab dem Schuljahr 2019/2020. Wenn ich an meine Zeit als Lehrer zurück- und an meine momentane Nachhilfetätigkeit aus Deutsch denke, ist eine Umstellung bezüglich der Schulbesuchszeiten sicher nicht das große Problem der neuen Regelung.

 

Größtes Problem: Zwei „Nicht genügend“ kein Hindernis mehr

 

Das große Problem dürfte das Aufsteigen in die nächsthöhere Ausbildungsstufe mit gar zwei „Nicht genügend“ sein. Für die Schülerinnen und Schüler kommt da im Moment Freude und ein Stück „Durchfallphobie-Entlastung“ auf. Aber das wird sich mit Sicherheit negativ „revanchieren“. Mit den zusätzlichen „genügend“ (die oft auch bisweilen auf schwachen Füßen stehen), kommt eine riesige Menge an Aufholstoff- und –zeit auf die zu Unterrichtenden zu und auch die Sorgen der Pädagogen werden mit Sicherheit nicht weniger., denn so oder so möchte frau/man so gut wie möglich unterstützend wirken, damit das Lernziel erreicht wird. Nicht zu vergessen die „Elternsprechtage“, bei denen jeder dann Rede und Antwort stehen muss. Das große Problem ist auch darin zu sehen, dass Lehrstoffe auf Fundamenten aufbauen, die es zuvor aufzuholen gilt, um den aufgebauten Stoffinhalt zu begreifen. Und ob das jeder/jedem gelingt ergibt in schon die Antwort: „Nein!“ Jedenfalls nicht ohne Lernunterstützung fachlicher und psychischer Art. Am besten erfahre ich das persönlich beim Nachhilfe-Kurs mit einem „Berechtigungsasylanten“. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass bei Fehlen der Grundlagen (dies vor allem auch beim Sprachunterricht) ein Stillstand eintritt und das Erlernen der nunmehrigen Fremdsprache zusätzlich erschwert wird. Und das vergleiche frau/man jetzt mit dem Schulunterricht. Als Pädagoge halte ich nicht viel vom neuen System, dies aber vorwiegend wegen der schlechten Absicherung des zuvor Erlernten. Viel wichtiger wäre es, Lerntechniken zu verbessern, eine davon wäre das gute, alte und vor allem blinde Maschinschreibsystem.